Sandboarding: Schlitten fahren in der Wüste

tl_files/article/Sand.130.jpgSchlitten fahren in den Dünen lautet das Zauberwort für ultimativen Spaß und Sport. Verführerisch lockt der große Sandberg Sportler, Wanderer und Fotografen gleichermaßen. Was für jeden vor dem Vergnügen steht, ist der etwas mühsame Aufstieg, denn im Sand hat man stets das Gefühl, drei Schritte vor und zwei zurück zu machen. Also muss man ein bisschen zügig hinauf steigen, bevor der Sand nachrieselt und den oberen Fuß gleich wieder ein Stück weit mit hinunter zieht. Aber dann! Je nach Kondition mehr oder weniger außer Atmen will man zunächst nur den Ausblick auf das ewig scheinende Sandmeer genießen, den Blick schweifen lassen über die rotgelbe Dünenlandschaft, die einem scheinbar unberührt zu Füßen liegt. Ein leichter Wind wirbelt feine Sandkörner auf, die die Landschaft sanft und doch fortwährend neu formen.

tl_files/article/Sand.1.180.jpgManche Swakopmunder nutzen die Nähe der Namib und ihrer Dünen schlichtweg als Trainingsobjekte, denn wer täglich ein- bis zweimal die Dünen hinauf und wieder hinab steigt, der hat die richtige Puste, um auch den Brandberg zu besteigen. Auch Skifahren kann man in dieser Umgebung, der Weltrekordhalter Hendrik May macht es vor, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Doch das Sandboard unter dem Arm zittert leicht im Wüstenwind und nun geht es ans Einwachsen. Professionelle Sandboards bzw. Sandbretter bestehen meist aus stabilem Kunststoff, doch kann man aus leichtem Pressspan mit zwei Griffen aus Holz recht leicht ein eigenes Board bauen. Mit Bohnerwachs wird die Lauffläche eingewachst, um weniger Widerstand auf die Piste zu bringen, und dann geht es mit Schwung hinab.

tl_files/article/Sand.3.130.jpgDer erste Blick eine steile Düne hinab kann schon etwas beängstigend sein und zur Recht sollte man nicht gleich zu den Superlativen greifen, sondern wie beim Rodeln oder Skifahren zunächst die sanften Sandhügel wählen, bis man das Board steuern kann. Am besten geht dies mit unbeschuhten Füßen zum Lenken und Bremsen. Mit leichter Gewichtsverlagerung kann man das Board schnell mühelos in die gewollte Richtung bringen und wenn man das Glück hat, zwei oder drei ineinander übergehende Dünen zu entdecken, kann man mit dem richtigen Schwung die dazwischen liegenden Sandberge ein Stück weit hinauf- und dann die nächste wieder schneller hinunter gleiten.

Ist man gut unten angekommen, treibt es einen schnell wieder hinauf, denn das muss man unbedingt noch einmal machen. Wen stört es da, dass man den Sand einfach überall hat? Augen, Nase, Ohren, Haare – alles ist voller Sand und wer sinniger Weise eine Sonnenschutz-Creme aufgetragen hat, sieht wie gepudert aus und trägt sehr zur Erheiterung der anderen Sandboarder bei.

tl_files/article/Sand.3.130.jpgGeübte Sandbaorder geben sich auf Dauer nicht mit dem bäuchlings liegenden Abfahren (lay-down) zufrieden, sie stehen auf dem Board wie beim Surfen (stand-up). Dazu benötigt man spezielle Sandbretter mit Stiefeln, um einen guten Halt zu bekommen.

Wer kein eigens Board hat, der kann mit einem der Anbieter um Swakopmund herum den ultimativen Spaß erleben. Und wer sich nicht die Mühe des Aufstiegs machen möchte, lässt sich zuweilen per Quad Bike die Düne hinauf befördern. Die rund 130 Meter hohe „Düne 7“ mit feinem, pudrigen Sand zwischen Swakopmund und Walvis Bay lockt besonders, da man eine längere Abfahrt genießen kann. Aber sie sollte den versierten Sandboardern überlassen werden, denn je länger die Abfahrt, umso schneller meist die rasante Abfahrt und je nachdem, wie sanft oder steil das letzte Stück ist, kann man sich leicht ein paar Knochen brechen.

tl_files/article/Sand.4.130.jpgWas für die einen nach reinem Spaß klingt, ist für die anderen ein echter Sport. So wird die Weltmeisterschaft im Sandboarding seit 1990 im deutschen Hirschau ausgetragen, und zwar am Monte Kaolino. Dieser Sandberg entstand quasi als Abfallprodukt zur Förderung von Kaolin und besteht aus Quarzsand. Der Monte Kaolino ist rund 120 Meter hoch, besitzt eine Abfahrtslänge von 220 Metern und eine Neigung von rund 35 Grad. Da kommt garantiert Spaß auf.

Aber so weit müssen wir nicht fahren, in Namibia liegt der Spaß an den Dünen direkt vor der Haustür. Im Zuge der aktuellen Diskussionen über den neuen Naturschutzpark und den Schutz des empfindlichen Dünengürtels mit seinen Kleinstlebewesen sollte man nur die für sportliche Betätigungen frei gehaltenen Dünen nutzen. Und dann: Mit dem Board unterm Arm die Düne hinauf laufen, um fit zu bleiben, das Brett kräftig bohnern und ab geht’s!

(c) Konny von Schmettau