Museum Swakopmund: Keine Spur von Langeweile

„Nachts im Museum“ lautet der Titel eines nicht nur für Kinder spannenden Kinofilms, bei dem nach Einbruch der Dunkelheit die leblosen Figuren zum Leben erwachen und allerlei Unfug anstellen. Bei der Auswahl im Swakopmunder Museum wäre ein solches Spektakel sicher ebenso spannend, denn dort befinden sich nicht nur lebensgroße Wildtiere Namibias, sondern auch eine große Insekten- und Schlangensammlung, Schutztruppen-Soldaten und ganze Ochsenwagengespanne.
Das Swakopmunder Museum hat sich nicht auf bestimmte Themen spezialisiert, sondern zeigt unter anderem eine vielfältige Auswahl aus allen Bereichen der Tier-, Pflanzen- und Edelsteinwelt.
Tiere der See und der Wüste werden vorgestellt, und Bruchstücke über 20 Millionen alter „versteinerter Bäume“ lassen die Besucher ebenso staunen wie seltene Turmaline, Rosen- und Rauchquarze, Goldspuren auf Halbedelsteinen und Mineralien aus allen Landesteilen.

Nach Zeitgeschichte und Themenbereichen sortiert, finden sich im Museum an der Mole die folgenden Abteilungen: Prähistorik, Archäologie, Völker Namibias, Schiffe & Transport, Flora & Fauna, Tiere Namibias sowie Kolonialgeschichte. Hinzu kommen immer wieder Sonderausstellungen.
Einen wichtigen Beitrag zur Kultur und Landesgeschichte leisten auch die regelmäßig stattfindenden Film- und Wort-Vorträge zu historischen und zeitgenössischen sowie brandaktuellen Themen wie „Erneuerbare Energien“ oder „Recycling und Mülltrennung“.

Ein Zahnarzt begründet das Museum 1951

Das Swakopmunder Museum wurde 1951 von dem Zahnarzt Dr. Alfons Weber gegründet und ist inzwischen das größte Privatmuseum in Namibia. Dr. Weber war mit seinem mobilen, über eine Kurbel fußbetriebenen Zahnarztstuhl im Land unterwegs, behandelte seine Patienten auf Farmen ebenso wie im Busch. Nicht immer waren seine Patienten in der Lage, in barer Münze zu bezahlen, und so nahm er stattdessen auch gerne historische Gegenstände und Exponate entgegen, die im Laufe der Jahre so zahlreich wurden, dass die Idee eines Museums schnell geboren war.
Dabei half ihm auch ein bisschen der Zufall, als in der Saison 1950/51 die Swakopmunder Stadtverwaltung einen Wettbewerb für besondere Vorschläge und Beiträge zu einer wirkungsvollen Saisongestaltung ausschrieb. Dr. Alfons Weber sammelte zudem leidenschaftlich Steine und Mineralien, und so gewann sein Vorschlag zur Gestaltung eines Heimatmuseums den ersten Preis. Nach elfmonatiger Bauzeit wurde am 17. Dezember 1951 das erste Museum mit integrierter Bibliothek, damals in der Roonstraße, eröffnet.
Die Konzeption ist bis heute mit Dr. Webers Vision verknüpft: „Der Jugend Anschauungsmaterial zur Ergänzung des Schulunterrichts und den Erwachsenen eine Möglichkeit zur Fortbildung durch Vorträge, Sonderveranstaltungen, Arbeitsgemeinschaften und Literatur zu bieten.“
Mit der zunehmenden Anzahl von Exponaten wurde schon bald ein Neubau notwendig, und mit diesem begann man 1958 auf den Fundamenten des alten kaiserlichen Hauptzollamts unterhalb des Leuchtturms.
1977 schließlich wurde die Sam Cohen-Bibliothek in die Windhoeker Straße / Sam Nujoma Avenue verlegt, und so sind heute auf rund 1300 Quadratmetern Tausende von Exponaten für die Öffentlichkeit zugänglich.

Relikte aus der Kolonialzeit

Eine besondere Faszination löst immer wieder der Bereich „Schiffe und Transport“ aus. Mike Thygesen und sein Taucherteam sorgen für regelmäßigen Nachschub, unter anderem in Form von historischen Münzen, Schiffsteilen und -Dekorationen und sogar Porzellanscherben aus der chinesischen Ming-Dynastie, die vom Porzellanhandel zwischen Portugiesen und Chinesen zeugen. Gemälde und Fotografien von historischen Handels- und Kriegsschiffen, Schiffswracks an der Skelettküste sowie Schiffsmodelle aus mehreren Jahrhunderten ergänzen sich zu einer spannenden Sammlung.

Ein weiterer Schwerpunkt in der Transport-Abteilung wird durch liebevoll präsentierte Ochsenwagengespanne in Modellgröße sowie einen kompletten originalen Ochsenwagen mit der dazugehörigen Ausstattung wie historischen Transportkisten und Überseekoffern geprägt.
Auch die Geschichte der Jetty gehört in diese Ära, als Schiffe aus aller Welt in Swakopmund ihre Ladung löschten und Passagiere ins koloniale Deutsch-Südwestafrika brachten. Eine wacklige Angelegenheit stellte das Aussteigen mittels kleiner Beiboote und Transportkörbe dar, und auch ein solcher Korb ist ausgestellt.
Die an Land gebrachten Waren wurden über ein Schienennetz, das auf der Jetty begann, ins Landesinnere gebracht. Entsprechend ist auch diese Transportart bis hin zu Modell-Eisenbahnen ausgiebig dokumentiert.

Wie die Menschen in früheren Zeiten lebten, ist in liebevoll gestalteten, kleinen Zimmern nachzuvollziehen, und mancher Besucher fühlt sich angesichts eines alten deutschen Wohnzimmers und einer Küche in Großmutters Zeiten zurückversetzt, denn hier fehlen nicht einmal die Spitzendeckchen.
Angrenzend kommt der Besucher in den Bereich des Museumsgründers Dr. Alfons Weber mit einer komplett ausgestatteten Zahnarztpraxis sowie der historischen Adler-Apotheke, in der selbst die von Hand hergestellten Tinkturen sowie die manuelle Registrierkasse nicht fehlen.

„Es gibt nichts mehr zu erfinden“

Nichtsdestotrotz hielt mit der Kolonialisierung auch die Technik Einzug ins damilige Deutsch-Südwest, und so legen unter anderem alte Druckerpressen, Phonographen, Schreibmaschinen und selbst ein Butterfass sowie eine Geflügelbrutmaschine Zeugnis ab von dem oft mühseligen Leben der Selbstversorger besonders auf den Farmen.
Ein Parlograph (der Prototyp eines Diktiergerätes) aus dem Jahre 1895 stammt vermutlich sogar aus der Hand Thomas Alva Edisons. Man stelle sich vor, dass diese Entwicklung des Erfinders der Glühbirne „als unverkäuflich abgelehnt“ wurde. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass der Leiter des amerikanischen Patentamts Im Jahre 1875 sein Abschiedsgesuch einreichte mit der Begründung, es gäbe „nichts mehr zu erfinden“.

Schließlich gelangt der Besucher in den 215 Quadratmeter umfassenden Ausstellungsbereich „Menschen Namibias“, in dem die unterschiedlichen Kulturen spannend und lehrreich präsentiert sind. Historische Fotoaufnahmen werden durch Exponate und Kunstgegenstände ergänzt, Schautafeln und erklärende Texte in Deutsch, Englisch und Afrikaans beleuchten die Entwicklung des Landes und seiner Völker.

Das Swakopmunder Museum untersteht der Wissenschaftlichen Gesellschaft Swakopmund, zu der auch die Sam Cohen-Bibliothek sowie der Otavi-Bahnhof gehören.
In regelmäßigen Abständen publiziert die Wissenschaftliche Gesellschaft Swakopmund eine kleine Broschüre mit dem Namen „Nachrichten“, die spannende Hintergrundinformationen zur Geschichte des Landes liefert.

Ein im Jahr 2010 fertig gestellter  Museumsführer, der 77 Seiten umfasst, gibt Aufschluss über einzelnen Exponate, die Abteilungen sowie die Geschichte des Museums. Er kann wie viele weitere interessante Publikationen und im Land hergestellte Souvenirs im Eingansbereich des Museums erstanden werden. Weitere Informationen liefert zudem die Internetseite:
www.swakopmund-museum.de

© Konny von Schmettau