Malawi - Das kleine Land am großen See

Ein unentdecktes Land der Tradition und Herzlichkeit

tl_files/article/malawi.180.jpgWenn man in Namibia mit seinen endlosen Steppen lebt, erscheint einem das üppig grüne  Malawi wie eine andere Welt. Im Gegensatz zu bekannten Reiseländern wie Südafrika, Botswana und Sambia ist dieses kleine, aber dicht besiedelte Land, zwischen Tansania, Mozambique, Zimbabwe und Sambia gelegen, noch relativ unbekannt.

Ähnlich wie in Namibia findet man in Malawi lediglich in größeren Orten eine ausgeprägte Infrastruktur, während die ländliche Bevölkerung noch ihre Traditionen lebt.
Der Malawisee ist einer der größten Seen der Welt mit 575 km Länge und an schmalster Stelle 50 km Breite. Gefüllt mit den schönsten und seltensten Fischarten der Welt, gibt es hier sogar Gezeiten wie an einem Meer.
Ursprünglich gebliebene Fischerdörfer ernähren ganze Generationen von Malawis Einwohnern, von denen viele zwar nicht in den Regionen um den See herum geboren wurden, aber durch den Fischreichtum vom See magisch angezogen werden. Und wer einmal hier lebt, den zieht es so schnell nicht wieder fort, denn in dem wirtschaftlich noch nicht weit entwickelten Land ist es eine Überlebensgarantie, eine tägliche Mahlzeit gesichert zu wissen.

Ein Berg im See

tl_files/article/malawi1.180.jpgOb man es glauben mag oder nicht: Die Fischer am Lake Malawi behaupten mit aller Überzeugungskraft, wenn man hinüber führe von der malawischen zur mosambiquischen Seite, befände sich mitten im See ein Berg. Dies allein wäre nicht sehr verwunderlich, zumal es durchaus Erhebungen in Meeren und Seen weltweit gibt. Doch die Fischer berichten, mitten im Lake Malawi sei ein Hügel im Wasser und man spüre deutlich, wie es von einem bestimmten Punkt an bergauf gehe und nach dem Scheitelpunkt wieder bergab. Wie soll dies nun mit der Lehre der Schwerkraft vereinbar sein? Dieses unerklärliche Phänomen allerdings haben auch manche Touristen am eigenen Leibe erlebt und keine Erklärung für den Eindruck eines Berges im See gefunden.
Ebenso einzigartig, soviel ist klar, ist die Spiegelung der Sterne auf dem nächtlichen Malawi-See. David Livingstone bezeichnete ihn als „Lake of Stars“, See der Sterne, und dies liegt nicht nur an der wunderschönen Spiegelung der nächtlichen Sterne auf dem Wasser.
Vielmehr glitzert in Vollmondnächten der gesamte See wie ein einziger Sternenhimmel. Die Wellenbewegung erweckt den Eindruck, als leuchte jemand von innerhalb des Sees mit einer Lampe heraus und erzeuge quirlige Muster, die einzelne und ineinander übergehende, faszinierende Lichtreflexe erzeugten In magischen Vollmondnächten erhält der Betrachter so den unwiderstehlichen Eindruck, sich inmitten eines unendlichen Sternenhimmels zu befinden.

Die Menschen Malawis bestehen aus einer bunten Mischung in Malawi und seinen Nachbarländern geborener Menschenstämme, denen eines gemeinsam ist: Sie sind fröhlich, tanzen für ihr Leben gern, sind gastfreundlich und bestechend herzlich. Nicht umsonst wird Malawi „Das warme Herz Afrikas“ genannt, denn wenn man hierher reist, kommt man gerne immer wieder.

Ursprüngliche Traditionen

tl_files/article/malawi2.180.jpgDer Großteil der Malawis lebt noch immer in ländlichen Gebieten und entsprechend sind die Infrastrukturen und Lebensumstände einfach und bescheiden, doch von großem Familienzusammenhalt geprägt. Ihr größtes Vergnügen besteht darin, abends gemeinsam am Ufer des Sees oder um ein Feuer herum zu sitzen und Geschichten zu erzählen. Und Kinder sind der Mittelpunkt des Lebens in jeder Familie. Durch die Auswirkungen von AIDS sowie die weite Verbreitung von Malaria als auch Schlafkrankheit im tropischen Klima rund um den See gibt es viele Waisenkinder, aber in keinem Land Afrikas werden diese so selbstverständlich in die Verwandtschaft eingegliedert und wie eigene Kinder versorgt und gehegt. Neben einer ausgesprochenen Herzlichkeit ist den Malawis zudem eine große Verbundenheit mit ursprünglichen Traditionen zueigen.
So sind die „Village Chiefs“, die Dorfältesten, mit großem Einfluss ausgestattet und entscheiden wie eine eigene Gerichtsbarkeit über die Menschen und Geschehnisse in der Dorfgemeinschaft. Ein Village Chief hat den selben Status wie ein Staatsminister, daran wird deutlich, wie wichtig gewachsene Traditionen in diesem kleinen, einzigartigen Land Afrikas noch sind.

Zwar hat der zunehmende Tourismus manchen Fortschritt mitgebracht, doch noch lange ist keine stabile Stromversorgung und Internetabdeckung gewährleistet. Dies gestaltet die Einbeziehung westlicher Investoren als schwierig, aber die demokratische Regierung arbeitet konzentriert an Verbesserungen und ist ebenso offen für alternative Energien wie Investoren aus allen Bereichen der Industrie. Erstaunlicher Weise hat fast jeder Malawi ein mobiles Telefon, was dem Besucher angesichts traditioneller Lehmhäuser und -Hütten manches Mal etwas befremdlich erscheint. Aber auch hier will man mit der Welt und mit seinen Mitmenschen auf moderne Art verbunden sein. Das Land ist sehr dicht bevölkert und allerorts begegnet man Menschen, Ziegen und Rindern, was das Befahren selbst der geteerten Hauptverkehrsstrecken recht anstrengend gestaltet.

Der internationale Tourismus bildet derzeit das größte Wirkungsfeld für Investoren, und besonders um den Lake Malawi herum entstehen mehr und mehr Lodges und Sportmöglichkeiten. Im mittleren und südlichen Bereich des Ufers wurde durch zahlreiche Tourismus-Anbieter eine gewisse Infrastruktur geschaffen, die für Reisende eine bunte Mischung aus afrikanischem Leben und teilweise gut ausgestatteten Unterkünften bildet. Doch kaum ist man wieder unterwegs, prägen einheimische Märkte mit Ständen aus Stroh und roh zusammen gestellten Holztischen das Bild.
Die dunkle Erde ist fruchtbar und erbringt gute Ernten, so dass Kleinbauern je nach Jahreszeit Obst und Gemüse am Straßenrand anbieten und in den ländlichen Gebieten besser für eine flächendeckende Versorgung sorgen als die wenigen Läden und bescheidenen Supermärkte.

Eine Fähre verbindet die Menschen

Seit 80 Jahren versorgt die Fähre „Ilala“ die Anwohner der Inseln im See sowie der am See liegenden Dörfer und Kleinstädte. Vollgepackt mit Obst, Gemüse, Dingen des täglichen Gebrauchs sowie auf Bestellung auch Ersatzteilen und so vielem anderen, bildet die Ilala zwei Mal pro Woche das nahezu einzige Transportmittel, um über den großen See zur Likoma-Insel mit ihren faszinierenden Ferienressorts zu kommen, so dass sich zwischen Lebensmitteln und einem bunten Allerlei auch Touristen auf der Fähre tummeln. Wer ausreichend Zeit hat, sollte einen Tour mit der Ilala durchaus genießen. Wer es eiliger hat oder unabhängiger sein möchte, dem bieten einige Lodges und Reiseunternehmen den Transport mit schnelleren Booten und teilweise privaten Kleinflugzeugen an.

Der See als Lebenselixier

tl_files/article/malawi.180.neu.jpgDas Leben in Malawi dreht sich in nahezu allen Bereichen um den See, der das Lebenselixier des kleinen Landes bildet, den Fischreichtum, die Schönheit der weitestgehend noch ursprünglich gebliebenen Landschaft – und immer wieder: Leben und Genießen am Malawisee, und sei es nur über ein Wochenende für Stadtmenschen aus aller Herren Länder, die in der Hauptstadt Lilongwe oder im südlichen Blantyre arbeiten. Wer im See schnorchelt, der erhält den Eindruck, in einem Aquarium zu schwimmen, umgeben von bunt schillernden, blauen, gelben, grünen und orangefarbenen Fischschwärmen, die den Schwimmer ebenso neugierig zu betrachten scheinen wie dieser sie. Weiter draußen im See fangen die einheimischen Fischer mit ihren Netzen wohl schmeckende Fischarten wie den heiß begehrten Chambo, Butterfisch und den Welsähnlichen Kampango, die in keinem malawischen Restaurant fehlen dürfen. 

Ein Abend oder eine Nacht am Malawisee bleibt jedem Besucher unvergesslich, wenn die Fischer mit ihren aus Baumstämmen gefertigten Booten, von Petroleumlampen beleuchtet, am Horizont den See bevölkern und den Eindruck einer eigenen, kleinen Stadt auf dem See erwecken. In den Fischerdörfern entzünden die Frauen Feuer vor ihren Hütten, so dass ihre Männer weit draußen auf dem See immer die Richtung nach Hause geleuchtet bekommen. Wenn die Sonne ihre letzten Strahlen über den See sendet und die heimischen Feuer brennen, ist es an der Zeit, sich Geschichten zu erzählen, Märchen und Legenden über den See und die allgegenwärtigen Ahnen, die über die Fischer wachen. Strom gibt es fast nirgendwo in diesen kleinen Siedlungen, und auch ihr Trinkwasser beziehen die Dorfbewohner aus dem See. Der Lake Malawi ist ihr Leben und der Mittelpunkt all ihres Wirkens. 
Rund um den See erstrecken sich sanfte Hügel und hohe Berge, dicht bewaldet und bevölkert von unzähligen Vogelarten und Kleintieren wie Klippdachsen und unterschiedlichsten Marderarten sowie großen Eidechsen, von denen viele nur in dieser Region noch endemisch sind.
In den frühen Morgenstunden kehren die Fischer mit ihrem Fang zurück in ihre Dörfer und sofort entstehen ein reger Handel und lautes Feilschen, begleitet von fröhlichem Gelächter. Was man nicht im Dorf benötigt, wird zu den Dörfern und Städten im Landesinneren und zu den umliegenden Hotels gebracht, womit der Einkauf von Grundnahrungsmitteln wie Maismehl gewährleistet ist. 

Die Ernährung der malawischen Bevölkerung besteht zumeist aus gekochtem Maismehl, „Nsima“ genannt, mit Fisch und einem Gemüse aus Kürbisblättern oder anderen Grünpflanzen als Beilage. Ein Tag ohne „Nsima“ ist auch für die malawische Stadtbevölkerung nahezu undenkbar, denn der fest gekochte Brei füllt den Magen und vermittelt ein angenehmes Sättigungsgefühl über Stunden hinweg.

Zurück nach Namibia

tl_files/article/malawi1.180.neu.jpgGesättigt von Eindrücken führte nach einem Jahr in diesem faszinierenden Land die 3000 Kilometer weite Reise zurück nach Namibia. Von Malawi aus durchfährt man die einsame Gebirgslandschaft Sambias, links und rechts der recht gut ausgebauten Teerstraße jedoch gibt es beinahe nichts außer Dschungel und dichten Wäldern. Über hohe Steigungen und tiefe Gefälle führt der Weg in Richtung Südwesten in Serpentinen und steile Kurven durch eine unberührt anmutende Waldlandschaft. Hier und da tauchen aus dem undurchdringlich erscheinenden Wald unvermittelt Eselskarren, Frauen mit Wasserbehältern auf dem Kopf oder Kindergruppen in Schuluniformen auf. Und ebenso plötzlich, wie sie aus dem Dschungel erscheinen, verschwinden sie an anderer Stelle wieder in demselben. Auch bei näherer Betrachtung findet das europäische Auge oft keinen Ansatz eines Weges, bestenfalls einen Pfad, der sich nach wenigen Schritten im Wald verliert.

Im Gegensatz zur malawischen Bevölkerung sind die Sambier mehr an Tourismus gewohnt und überaus geschäftstüchtig, wenn es darum geht, auf ihren bunten Märkten die Preise für Lebensmittel festzulegen. Entsprechend klein fallen meist die Einkäufe aus, denn mehr als den doppelten Preis für die gleichen Gemüse zu zahlen, aus dem simplen Grund heraus, Tourist zu sein, erscheint nicht sehr logisch.

Nach den wilden Bergen Sambias empfängt einen die kühle, weite Steppe Namibias mit ihrer einzigartigen Weite bis zum Horizont wie eine Wohltat. Der Himmel über Namibia erscheint einem höher und weiter als in anderen Ländern Afrikas, da der Blick an keinem Gebäude hängen bleibt, sondern ungehindert schweifen kann und den Gedanken ihren freien Lauf lässt. Durch den Caprivi-Zipfel und den Norden Namibias empfängt einen  nach langer, anstrengender Reise die Atlantikküste und das schöne Swakopmund.

Bei strahlendem Sonnenschein zeigt sich das malerische Küstenstädtchen von seiner schönsten Seite mit sanft rauschenden Wellen und der majestätischen Schönheit der Namib-Wüste. Mit seinen ganz besonderen Menschen, vielerorts noch alter deutscher Bauweise, die sich in historischen Gebäuden wie in der Kultur des Landes manifestiert hat, geht die 14 Monate lange Reise zu Ende und lässt genügend Raum auch für kalte Nebeltage, die am schönsten am wärmenden Feuer mit dem Blick auf das stürmische Meer zu genießen sind.

(c) Konny von Schmettau