Die vieldimensionale Welt des Koos van Ellinckhuijzen

Swakopmund. Dichter, Denker, Maler, Bildhauer, Musiker und Philosoph: Koos van Ellinckhuijzen erschafft seine eigene Welt der Kunst immer wieder neu.

„Wenn wir innehalten und unseren Tag ohne Ablenkung von außen für uns nehmen, in der Stille arbeiten und in uns selbst ruhen, vergeht die Zeit langsamer als mit der Hektik des Alltags. So gewinnen wir Zeit, verlängern unseren Tag und verlängern gleichsam unsere Lebenszeit.“
Koos van Ellinckhuijzen weiß allzu gut, wie wichtig es ist, sich Zeit zu nehmen, wenn man etwas Besonderes schaffen will. Wenn man den Anspruch hat, nicht das Gegebene vorauszusetzen und zu kopieren, so gut es geht, sondern etwas Eigenes, Selbständiges, Außergewöhnliches zu erreichen. Und sei es nur für sich selbst. Jahrelang hat er sich mit Sternen, Planeten, dem Kosmos, der Philosophie und dem vielschichtigen Aufbau des Universums beschäftigt. Hat sich inspirieren lassen von großen Künstlern wie dem Surrealisten Rene Magritte und dem Grafiker Mauritz Cornelis Escher, der mit seinen dreidimensionalen Treppenbildern die Welt noch heute in Erstaunen versetzt. 

Van Ellinckhuijzens Gemälde heben sich ab vom Gewöhnlichen, lassen den Blick des Betrachters in neue Dimensionen hineintauchen und immer wieder Neues im scheinbar Alltäglichen entdecken.
Mit der Relativitätstheorie Albert Einsteins hat er sich lange befasst und das scheinbar Unmögliche möglich gemacht, indem er in seine Bilder eine nie zuvor sichtbar gemachte vierte Dimension einbringt.
Allem voraus seine Installation mit spiegelverkehrt gemalten Impressionen einer Welt im Kosmos oder einem Kosmos in der Welt. Wer sie durch den von Koos van Ellinckhuijzen entwickelten Apparat betrachtet, weilt atemlos davor, die Augen nah ans Objektiv gedrückt, erneut immer wieder staunend, wie solch eine Sicht der Dinge machbar ist.
Van Ellinckhuijzen sieht „Wissenschaft als Zweck der Kunst“ und fasst damit für sich die Aussage Albert Einsteins zusammen: „Das erhebendste Erlebnis ist das des Mysteriösen. Es ist das elementare Gefühl in der Wiege aller wahren Kunst und Wissenschaft.“

Der Künstler wurde als Sohn holländischer Einwanderer am 20. September 1942 im südafrikanischen Pretoria als Jacobus Johannes (Koos) van Ellinckhuijzen geboren, inmitten der Wirren des Zweiten Weltkrieges. Und so verbrachte er als junger Mann zwölf Jahre beim Militär, als Offizier der Infanterie und Fallschirmspringer. Vier Kriege erlebte er mit, die seine Einstellung früh schon prägten und ihm deutlich machten, wie wichtig Frieden ist, und wie wichtig auch die Wissenschaft, wenn sie dem Zweck des Friedens dient.

So arbeitete er nach seiner Militärzeit als Wildhüter des Ministeriums für Naturschutz und Tourismus im damaligen Deutsch-Südwestafrika und entdeckte dabei sein Talent und seine Liebe zur Kunst. „Ich hütete in Quarantäne befindliche Eland-Antilopen und wollte die Zeit nutzen“, berichtet der Künstler, „und so fertigte ich vier Gemälde, die als Resultat eine erste Aussstellung als Maler mit sich brachten. Die darauffolgenden Jahre erachtete ich als eine Zeit des Selbstunterrichts, jedoch habe ich nie an Kunstunterricht teilgenommen.“
1979 gab er seinen Job auf, um als freischaffender Künstler zu leben und zu arbeiten.

„Medium, Stil und Technik werden durch das Thema diktiert“, wurde ihm schnell klar und so probierte er aus, was zu ihm passte. Er malt mit Wasser- und Ölfarben, Gouache und Acryl, arbeitet mit Airbrushtechnik ebenso wie mit der feinsten Malerfeder.
Bildhauerei, surrealistische Malerei und grafische Darstellung astrophysikalischer Panorama entwickelten sich zu seinen persönlichen Vorlieben, und seit inzwischen nahezu 30 Jahren widmet er sich seinen dreidimensionalen Kunstwerken.

Der Erfolg blieb nicht aus, und so erschienen enthusiastische Rezensionen in der New York Times, in lokalen Medien und internationalen Fernsehsendern in den USA. Während einer internationalen 3D-Ausstellung zum Thema Foto-Stereo-Multibildnisse, Holografie, Lentikular-Darstellungen sowie dreidimensionale Computergrafik-Videos erhielt er den 1. Preis für das Bildwerk „Nativity“, das als einziges formelles Kunstwerk, also rein von menschlicher Hand angefertigt, ohne technische Hilfsmittel erstellt wurde. Es ist bisher das einzige bestehende Stereogemälde der Welt und wurde sogar auf der Krim-Halbinsel in der damaligen Sowjetunion ausgestellt.

Als aktives Mitglied des Internationalen Verbandes Astronomischer Künste (IAAA) fertigte er 1988 in den USA in Zusammenarbeit mit einer Privatstiftung Gemälde afrikanischer Tiere an, um zur Rettung der vom Aussterben bedrohten Spitzmaulnashörner des namibischen Damaralandes beizutragen.
Auch als engagierter und aktiv mitwirkender Künstler des in der Schweiz basierten OURS-Projektes (Orbiting Unification Ring Satellite) hat Koos van Ellinckhuijzen sich einen international bekannten Namen geschaffen. Werke ausgewählter Künstler werden hier gesammelt und archiviert und sollten für die Nachkommenschaft im Zentrum des drei Kilometer umfassenden Ringsatelliten auf einer Laserdiskette gespeichert aufbewahrt werden. Der für die Jahrhundertwende 2000 geplante Start wurde jedoch ironischer Weise zugunsten des US-Raketenabwehr-Satellitenprojekts zurückgestellt.

„Durch seine Bekanntheit in angewandter Stereoskopie und Stereographie wurde van  Ellinckhuijzen 2000 ersucht, bei der Deutung der Daten über in die Atmosphäre eindringenden Gammastrahlen behilflich zu sein, wie sie in den 52 Tonnen schweren Instrumenten der damals neu installierten HESS-Teleskopanlage am Gamsberg erfasst werden“, schrieb ein Kritiker. „Benannt nach dem Astronomen Victor Hess, soll diese Hoch-Energie-Stereotypische System (HESS) unser Verständnis über die Entstehung des Universums vertiefen. Im Jahre 2000 entwarf van Ellinckhuijzen einen Briefmarkenbogen zum Gedenken der Eröffnung der Anlage.“

Briefmarkenserien und Ersttagsumschläge kreierte der Künstler für mehrere Länder des südlichen Afrikas, allen voran Namibia. Astrophysikalische Themenbereiche wie das Sonnensystem, der Halley’sche Komet und Satelliten in ihrer Umlaufbahn sind beliebte Sammlermotive unter Philatelisten weltweit.

Das ganz Besondere an Koos van Ellinckhuijzens Werken ist die Hinzufügung der vierten Dimension, die alles bisher Gesehene nahezu flach erscheinen lässt.
„Seine Kunst besteht darin, zum Beispiel in seinem Stereoskop, dem menschlichen Auge weitere Horizonte zu eröffnen“, so ein amerikanischer Kritiker. „Sie schafft eine Erweiterung der drei Koordinaten des Raums (Höhe, Breite, Tiefe) durch die vierte Koordinate: Zeit. Und eröffnet damit dem Betrachter ähnlich wie in der Astrophysik völlig neue Horizonte.“

„Etwas zu malen, das fotografiert werden kann, rechtfertigt oder ergänzt Kunst überhaupt nicht“, erklärt van Ellinckhuijzen. „Kunst ist notwendiger Weise künstlich. Ich musste Binokularsicht analysieren, die Einschränkung der künstlichen Optik studieren, und später auch die Einschränkung hinsichtlich der Computergrafik. Alle Regeln im Hinblick auf Aufbau, Maßstäbe und relative Größen der traditionellen Malerei werden unwichtig, wenn in drei Dimensionen gearbeitet und gesehen wird, was einem die Freiheit gibt eine „Montage“ innerhalb einer Binokularverschiebung anzufertigen. Es kann sogar eine Teleskopansicht innerhalb einer Weitwinkeldarstellung geboten werden – etwas, das weder Fotografie, Holografie, vorprogrammierte Computergrafik noch die Lentikularmethode bieten können.“

All sein Wissen, seine Philosophie, seine Kenntnis der Astronomie wie der Astrophysik fließen in Koos van Ellinckhuijzens Werke ein, und wer sein neuestes Werk „Tyrannosaurus reserrectus“ vor dem Hintergrund der Spitzkoppe betrachtet, kann einfach nur tief beeindruckt die Vielschichtigkeit der Dimensionen bewundern.

© Konny von Schmettau