Auf Touristen-Routen durch den Nordwesten Namibias

tl_files/article/Tour.130_ffd162.jpg„Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen“, besagt ein altes, deutsches Sprichwort von Matthias Claudius, das sich auch in unserer schnelllebigen Zeit immer wieder bewahrheitet.
Unser schönes Namibia bereisen jedes Jahr Millionen von Urlaubern aus aller Herren Länder, und oft lesen wir ein bisschen wehmütig ihre Berichte und denken bei uns: „Das würde ich auch gerne alles sehen, aber die Kosten...“ Doch gibt es neben den genannten Unterkünften, von denen einige durchaus auch für den Normalverdiener erschwinglich sind, auf vielen Strecken entlang der Touristenroute sehr gute und günstige Campingplätze und Lodges, die sich zudem für Familien mit Kindern gut eignen.

Und so geht’s los auf unsere Rundreise entlang der Touristen-Attraktionen im Nordwesten Namibias, die für Jeden, der Natur und Tiere unseres Landes mag, spannend und abenteuerlich sind.
Wir starten im schönen Swakopmund und fahren über Uis am Brandberg vorbei nach Twyfelfontein, wo einen in malerischer Landschaft die Twyfelfontein Country Lodge mit ihren Gras gedeckten Dächern zwischen roten Granitfelsen empfängt. Nach einer gemütlichen Tagestour erwartet uns eine Unterkunft im mittleren Preissegment mit uriger Bar und großem Restaurant, das dreimal täglich mit einem hervorragenden Buffet aufwartet. Als Ausgangspunkt für Tagesexkursionen liegt es ideal in nahem Abstand zu zahlreichen Attraktionen.
Nicht weit entfernt gibt es in dieser Gegend auch mehrere Campingplätze, von denen die Aabadi Campsite urig im ursprünglichen Busch liegt, mit einem kleinen Restaurant und sauberen Sanitäranlagen zu einem hervorragenden Preis, wenn man sein eigenes Zelt mitbringt.

Verbrannter Berg und Orgelpfeifen

tl_files/article/Tour1.180_03.jpgNur wenige Kilometer von Twyfelfontein entfernt liegt der Verbrannte Berg (Burnt Mountain), ein sich zwischen Bergen erhebender Erdhügel, der aus schlackenartigem Gestein besteht, das im Erdmittelalter freigelegt wurde und in seiner Düsterheit den Eindruck erweckt, als habe er kürzlich noch gebrannt. Zwar ist er kein erloschener Vulkan, wie seine Beschaffenheit vermuten ließe, doch entwickelte er sich aus einem erkalteten Lavastrom und bildet einen deutlichen Kontrast zum umliegenden Gestein.
In seiner Nachbarschaft ragen in einem kleinen Flusstal bis zu fünf Meter hohe und rund 100 Millionen Jahre alte Basaltsäulen aus den Felswänden hervor, die wie Orgelpfeifen anmuten. Lava ist im Laufe der Gezeiten in den Tonschiefer eingedrungen, und durch die fortschreitende Erosion wurden die überlagernden Schichten freigelegt, die wiederum durch Wind und Regen sozusagen poliert wurden. Rotbraun schimmernd ragen die Säulen in den blauen Himmel empor.

Twyfelfontein

tl_files/article/Tour2.180_04.jpgJahrtausende alte Buschmann-Zeichnungen schmücken die Felsen bei Twyfelfontein, der „zweifelhaften Quelle“ (der Begriff stammt aus dem Afrikaansen), die nach einer satten Regenzeit erkennen lässt, was Menschen aller Völker immer wieder magisch anzog: Saftige Weiden für das Wild in einem weiten Tal und eine sprudelnde Quelle unter schattigen Felsen.  Uri-Ais (springende Quelle) nannten sie die Damara zu früheren Zeiten.
1947 ließen sich weiße Farmer hier nieder, doch wegen der Unzuverlässigkeit der Quelle, die nicht immer Wasser führt, verließen sie das Tal bereits 1964 wieder. Mauerruinen zeugen von dieser Zeit, in der die Farmerei sich nicht dauerhafte lohnte.
Über 2.500 Felsgravuren, sogenannte Petroglyphen, finden sich in diesem Gebiet, das weltweit als eine der reichsten Fundstätten von Felsgravuren gilt und von der Unesco zum  Weltkulturerbe ernannt wurde.
Buschmänner, die als Ureinwohner Namibias gelten, haben hier vor mehr als 2000 Jahren ihre Spuren hinterlassen, in Form von Felszeichnungen, die aufzeigen, welches Wild sich in dieser Gegend finden ließ, offenbar zu kultischen Zwecken sowie als Unterrichts- und Anschauungs-Vorlage für ihre Kinder.
Neben Darstellungen von Elefanten, Giraffen, Antilopen, Gemsböcken, Straußen, Nashörnern, Löwen, menschlichen Fußabdrücken und Jagdszenen sind auch Bilder von Seehunden und Fischen in den Fels graviert, was zeigt, dass die San offensichtlich weite Strecken bis zur Küste hin zurückgelegt haben und ihre Eindrücke im eisenhaltigen Sandstein von Twyfelfontein verewigten.
Auch Lagepläne von Quellen und Teichen sind in den Stein geritzt. Wie eine Landkarte eröffnen sich dem Auge des Betrachters uralte Wege zwischen Bergen und Tälern hindurch zum lebenswichtigen Wasser.
Etliche Zeichnungen befinden sich auf brusthohen Steinwänden, die als Schutz dienten, um das Wild in den weit sich ausdehnenden Tälern beobachten zu können, ohne selbst gesehen zu werden.  Das Landschaftsbild wird von niedrigem Busch und hohem, silberfarbenen Gras bestimmt. Einzelne Bäume ragen dazwischen auf. Die weiten Grasflächen, von sanftem Wind bewegt, werden von hohen Bergen in leuchtende Täler zerteilt.

Versteinerter Wald

tl_files/article/Tour3.180_02.jpgHeute werden Führungen durch Damaras angeboten, die mit den Besuchern zu den Felsgravuren gehen und geschichtliche Fakten erzählen. Konnte man vor einigen Jahren noch selbst herum spazieren und die historische Stätte auf sich wirken lassen, so geht dies heute nur noch mit offiziellen Führungen. – Die auch Sinn machen, denn leider nehmen immer wieder Besucher Gesteinsbrocken mit, die dazu führen, dass einige Felsbilder teilweise zerstört wurden.
Das gleiche Problem besteht beim Versteinerten Wald (Englisch: Petrified Forest). Auch hier kann man nicht mehr ohne Führer umher gehen. Und dennoch ist auch dieser Ort von einem einzigartigen Zauber bestimmt, wenn man das Glück hat, nicht gerade von einer großen, lärmenden Gruppe umgeben zu sein.
Mächtige Baumriesen wurden vor 250 bis 300 Millionen Jahren hier angespült und mit Sedimenten bedeckt, so dass sie nicht verrotteten, sondern in ihrem luftdichten Schutz erhalten blieben und im Laufe der Gezeiten kristallisierten. Ursprünglich hatte man vermutet, dass sich an dieser Stelle ein Nadelwald befunden hätte, doch weisen die fehlenden Wurzeln, Äste sowie üblicher Weise vorhandenen versteinerten Pflanzen- und Tierfragmente darauf hin, dass die Baumstämme einst hier angespült wurden und durch das Eindringen von Kieselsäure ihre ursprüngliche Form behielten. Selbst die Strukturen der Jahresringe sind bis heute stellenweise sichtbar, und dicht bei den machtvollen Baumstämmen wachsen unzählige Welwitschia Mirabilis, deren Ursprung aus prähistorischen Zeiten stammt, als wollten sie zeigen, dass sie zeitlich zusammengehören und sich nicht loslassen mögen.

Damara Kulturmuseum

tl_files/article/Tour4.180_02.jpgAuf dem Weg Richtung Westen findet sich unweit Twyfelfonteins ein „Cultural Living Museum“ (Lebendiges Kulturmuseum), wo eine Gruppe von Damara in einer kleinen Felsschlucht ein urtümliches Dorf errichtet hat und Besuchern ihre ursprünglichen Traditionen erklärt.
Eine Dorfapotheke zeigt Heilkräuter und erklärt deren Wirkung, Wohnstätten und Tierpferche sind aufgebaut und die Bearbeitung von Fellen wird demonstriert. Dass die Buschmänner und Damara zu Urzeiten nicht eben befreundet waren, wird ebenso erklärt wie die Unterschiede der beiden Völker in Kurzform, wonach die San im freien Veld lebten und sieben Klicklaute haben, die nahe bei Felsen lebenden Damara jedoch nur vier. Natürlich hätten die Buschmänner hier früher gelebt als die Damara, erklärt Morin, die eigentlich aus dem Norden stammt, daraus begründe sich auch der Name: Da-ma-ra, frei übersetzt „Fußspuren, die in unserem Veld hinterlassen wurden“.
Der Hintergrund dieses Kulturdorfes, das zwar nicht als Lebensmittelpunkt dient, doch tagsüber den Broterwerb der Gruppe bedeutet, erschließt sich aus der Initiative der gemeinnützigen deutsch-namibischen Living Culture Foundation Namibia (LCFN), die sich nach eigenen Worten für kulturelle Entwicklung in Namibia einsetzt: „Wir helfen armen Namibiern, sogenannte Lebende Museen aufzubauen“, besagt die Internetseite www.lcfn.info. „Ein Lebendes Museum ist gleichzeitig eine Schule für Kultur und ein kommunales Unternehmen innerhalb des namibischen Tourismus. Das Lebende Museum der Damara in der Nähe von Twyfelfontein ist das erste traditionelle Damara-Projekt in Namibia und das Einzige seiner Art. Nirgendwo anders hat man die Möglichkeit, in dieser Form etwas über die traditionelle Kultur der Damara zu erfahren. Zusammen mit den Buschleuten gelten die Damara als Ureinwohner Namibias. Ihre ursprüngliche Jahrhunderte alte Kultur war eine Mischung von archaischer Jäger- und Sammlerkultur und der Viehzucht von Rindern, Ziegen und Schafen. Während der Zeit der Kolonisation Namibias konnten die Damara durch ihre lose Stammesstrukturen Aggressoren nie wirklich etwas entgegensetzen. Dies ist auch einer der Gründe, weshalb ihre Kultur heutzutage fast völlig in Vergessenheit geraten ist.“

Khorixas und Vingerklip

tl_files/article/Tour5.180_01.jpgIn der Kleinstadt Khorixas, der „Hauptstadt der Damara“ scheiden sich weniger die Geister als die Streckenführung in Richtung Norden oder Westen.
In westlicher Richtung erreichen wir auf gut ausgebauten Teerstraßen die Vingerklip Lodge, die am Fuße mächtiger Felsterrassen rund um den Berg harmonisch in die Landschaft eingefügte Bungalows aufweist, die sich kreisförmig um das großzügige Hauptgebäude mit Restaurant, Lounge und Bar gruppieren. Beinahe gänzlich aus natürlichen Materialien errichtet, erhebt sich ein mächtiges Dach aus Holzbalken, grasgedeckt und so angeordnet, dass einzelne, versteckte Bereiche gemütliche Sitzplätze bilden, die einen atemberaubenden Ausblick auf die Vingerklippe und die umgebende Landschaft bieten. Swimmingpools, Wellness- und Ruheplätze liegen versteckt im Schatten hoher Bäume, und wenn man am Abend auf den Balkon eines Bungalows tritt, liegt in der weiten Ebene ein beleuchtetes Wasserloch, an dem sich Zebras, Antilopen und Perlhühner gütlich tun.

Die Fingerklippe (Afrikaans: Vingerklip) bezeichnet eine durch Erosion von rund 30 Millionen Jahren alten Kalksteinschichten entstandene Felsnadel im Ugab-Tal. Die Basis der Fingerklippe, die wie ein „Finger Gottes“ als Einzelfels herausragt, umfasst 44 Meter, seine Höhe rund 35 Meter. Die beeindruckenden Ugab-Terrassen beschreibt eine Studie der Universität Heidelberg wie folgt: „Das Ugab-Tal in West-Namibia begrenzt die Flächennamib (sogenannte Randstufenlücke) nach Norden. Reste einer bis zu 100 Meter mächtigen z. T. konglomeratisch-fanglomeratischen Verfüllung des Tals reichen von der Randschwelle (circa 1600 Meter über dem Meeresspiegel) rund 100 km weit in die Küstenwüste hinein und bilden - mehr oder weniger erodiert - die sogenannten Ugab-Terrassen.“
Soweit der geographische Hintergrund, uns reicht auf unserer Reise der atemberaubende Ausblick von hoch oben auf dem Berg, dem „Eagles Nest“ der Vingerklip Lodge, mit einem kühlen Sundowner die uns zu Füßen liegende Welt betrachtend.

Huab Lodge und Kamanjab

Von der Fingerklippe aus besteht die Möglichkeit, in Richtung Westen nach Outjo abzubiegen, doch aufgrund eines Geheimtipps fahren wir die rund 60 Kilometer zurück kurz vor Khorixas und biegen ab in Richtung Norden und Kamanjab, um auf der Huab Lodge und BushSpa einen lohnenden Abstecher zu machen. „The Sound of Silence” lautet das Motto der im ursprünglichen Busch direkt am Huab-Fluss gelegenen Lodge, und „die Stimme der Stille“ empfängt uns mit jedem Kilometer, den wir weiter von der Hauptverkehrsstraße aus in den Busch fahren.
Der Huab hat trotz der ergiebigen Regenzeit in diesem Jahr hier kein hohes Wasser geführt, und so steht das Gras dicht und hoch, bietet wunderbare Verstecke und Brutplätze für über 100 verschiedene Vogelarten, von denen einige endemisch sind. Weiter Flussabwärts ziehen majestätische Wüstenelefanten durch das Tal, nisten Adler in steilen Felswänden und äsen Kudus ungestört am leise rieselnden Gewässer, das eine ungeahnte Vielfalt an Pflanzen aufweist.
Die Huab Lodge und BushSpa bietet nur wenige Gästebungalows, man geht familiär miteinander um und sitzt während der Mahlzeiten gemeinsam an einer großen Tafel mit Blick auf das Huab-TV, den offenen Busch. Massage, Wellness und eine heiße Quelle sorgen für die richtige Entspannung, Exkursionen mit dem Inhaber Jan van de Reep für abenteuerliche Wildfahrten durch den Huab, und am liebsten möchte man gar nicht mehr abreisen.

Himba bei Gelbingen

tl_files/article/Tour6.180_01.jpgDennoch führt unser Weg bald weiter gen Norden, und zwar nach Kamanjab, dem kleinen Ort, der von Touristen gerne als „letzter Vorposten der Zivilisation auf dem Weg ins Damaraland oder Kaokoveld“ bezeichnet wird. Hier begegnet man den ersten Himba, und zwar nach kurzer Fahrt von Kamanjab aus in Richtung Nordwesten auf der Gästefarm Gelbingen. Die Inhaber der gemütlichen Gästefarm mit gepflegten Zimmern, offener Bar und reichlicher Hausmannskost beschreiben das besondere Verhältnis zwischen ihnen und den Himba wie folgt:
„Die Gelbingen Farm im Nordwesten von Namibia ist nach dem Heimatort des ersten Farmbesitzers, dem Örtchen Gelbingen bei Schwäbisch Hall in Deutschland, benannt. Die Familie Hoth gehört zu den ersten Familien, die hier als Farmer siedelten und sind die Erstbesitzer der nahegelegenen Farm „Karos“. Schon im Jahre 1953 kam es zu einer Zusammenarbeit mit dem Chef eines Himbaclans. Diese Zusammenarbeit und daraus entstandene Freundschaft mit Andrea und Volker Hoth, den jetzigen Eigentümern, besteht noch heute. Das Verständnis der Familie Hoth für das Leben der Himba war der Anstoß für eine besondere Übereinkunft: Der Clan durfte sich auf der Farm Gelbingen niederlassen und auch seine Ziegen hier weiden lassen. So ist es dem Clan möglich, die alten Himba-Traditionen zu leben und zu pflegen. Eine Übereinkunft, die bis heute Bestand hat. Beim Besuch von Gelbingen ist es daher auch möglich, das Dorf der dortigen Himba zu besuchen, sich in eine andere Zeit zu begeben und selbst die Traditionen und Kultur der Himba kennen zu lernen.“

Etosha Nationalpark

Von Kamanjab aus geht es zum Etosha Nationalpark, der bereits 1907 zum Wildreservat erklärt wurde, damals jedoch in weit größeren Ausmaßen. Die Übersetzung des Namens bedeutet „große, weiße Fläche“ und bezieht sich auf die ausgedehnten Salzpfannen.
Seine heutigen Grenzen umfassen rund 22.275 Quadratkilometer (295 km in der maximalen Ost-West-Ausdehnung, 110 km in der maximalen Nord-Süd-Ausdehnung) und bezeichnen das zweitgrößte Naturschutzgebiet Afrikas. Der Park ist heute für Touristen zweigeteilt. Der östliche, von der über 6.000 km² großen Etosha-Pfanne geprägte Teil ist für Touristen mit Pkw frei zugänglich, der westliche Teil hingegen darf nur in Begleitung registrierter Reiseführer besucht werden.

Einzigartig ist die große Artenvielfalt des Nationalparks mit über Hundert Säugetierarten wie Elefanten, Geparden, Leoparden, Spitzmaulnashörnern, Streifengnus, Giraffen, Zebras, den seltenen Schwarznasen-Impalas und Damara-Dikdiks, Elan- und Pferdeantilope sowie rund 340 verschiedenen Vogelarten.
Wie eine Fata Morgana erscheint die mit Wasser gefüllte Salzpfanne am Horizont. Riesige Herden von Springböcken, Zebras und Gnus grasen im sanften, hohen Gras, während unzählige Vögel die Luft mit ihrem Gesang erfüllen und der Stille eine Atmosphäre des „wahren Afrika“ verleihen. 
Hier tut man gut daran, sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit von 60 Stundenkilometern zu halten, und zwar nicht nur, um die unverdorbene Landschaft genießen und auch vereinzelt stehende Tiere beobachten zu können, sondern auch, weil sich hinter einer Kurve durchaus des Öfteren unvermittelt eine Elefantenherde mitten auf dem Weg tummelt. Elefanten spielen gerne, in jugendlichem Ungestüm balgen junge Bullen miteinander, und die älteren Herrschaften rupfen genüsslich das saftige Grün von den Bäumen. Wer es hier eilig hat, ist selbst schuld und kommt ohnehin nicht weiter, denn die Grauen Riesen lassen sich von nichts und niemandem stören. Schließlich gehört ihnen dieser Teil der Welt, in die der Tourist sich einzufügen hat und einmal nicht auf die Uhr schauen sollte.

Die drei großen Restcamps Okaukuejo, Halali und Namutoni bieten Unterkünfte in Form von Bungalows, aber auch großzügige Campingplätze. Den ganzen Tag lang werden die Wasserlöcher von vereinzelten Wildtieren frequentiert, doch am Abend wird es spannend, wenn die großen Herden das Wasser suchen und den Besuchern ein einzigartiges Schauspiel der Natur liefern, wenn die untergehende Sonne die Landschaft in ihr warmes Licht taucht und majestätische Elefanten neben Antilopen, Hyänen und Löwen das köstliche Nass genießen.

Tsumeb und historische Minen

Nach Tagen der Ruhe und Beschaulichkeit im Etosha und etlichen Abstechern zu abgelegenen Wasserlöchern, an denen man die Wildtiere beobachten kann, verlassen wir den Nationalpark und begeben uns auf die Teerstraße in Richtung Süden. Wer hier zu schnell hindurch oder vorbei will, verpasst die geschichtsträchtige Stadt Tsumeb, das Tor zum Norden, mit seinen vielfältigen Attraktionen wie dem Museum und einem Dorf der Kulturen.
Gastfreundliche Übernachtung, Pool, Bar sowie ein großzügiges Restaurant mit vorzüglicher Hausmannskost und Blick auf den Stadtpark bietet das historische Minenhotel im Herzen der Stadt. Alle Zimmer sind en-suite sowie mit Fernseher, Telefon und Klimaanlage ausgestattet. Zudem finden Gäste aus allen Landesteilen hier ein Konferenzzentrum und im Gehabstand Kulturangebote und Einkaufsmöglichkeiten gleichermaßen.

Kurz vor den Toren der Stadt liegt die !Uris Lodge, nur 15 Kilometer von der Hauptstraße aus im Busch versteckt, mit einem atemberaubenden Flair aus 1001 Nacht. Eingerichtet im marokkanischen Stil, mit Kissen und gepolsterten Bänken, einem großen Kamin in der geräumigen Lounge und einem zwischen grünen Rasenflächen gelegenen Pool bleiben hier keine Wünsche offen. Die Lodge gilt als Geheimtipp auf dem Weg zum Etosha und bietet zudem Exkursionen zu den umliegenden, von Busch überwucherten historischen Minen, die mit ihren rostigen Überbleibseln aus der Tsumeber Blütezeit und tief in die Erde hinein getriebenen, Kristall übersäten Gruben einen faszinierenden Reiz ausüben.

Der legendäre Oshikoto-See

tl_files/article/Tour7.180_01.jpgAuch der Oskikoto-See, der durch seine Beschaffenheit und Geschichte berühmt wurde, ist unweit von Tsumeb gelegen. Angegliedert befindet sich ein kleiner, privater Zoo, der besonders für Kinder spannend ist. Zudem sind interessante Fossilien primitiver Algen zu sehen, die vor 600-700 Millionen Jahren in einem warmen See zu finden gewesen sein sollen, der den nördlichen Teil des heutigen Namibia bedeckte.
Der Lake Oshikoto, wie er im Englischen heißt, wird als „bodenlos“ bezeichnet, denn seine tatsächliche Tiefe konnte bisher nicht komplett ausgelotet werden, er gilt als einer der tiefsten Seen Afrikas. Es wird sogar vermutet, dass er eine unterirdische Verbindung mit dem nahe gelegenen Lake Guinas hat.
Im Jahre 1915 haben die deutschen Schutztruppen Kanonen und Munition im Oshikoto versenkt, um zu verhindern, dass diese den Feinden in die Hände fallen. Einige Fundstücke aus dieser Zeit sind heute im Tsumeber Museum ausgestellt. Legenden ranken sich um den türkisfarben schimmernden See, in dem seltene Fischarten beheimatet sind, unter anderem die Mär, die Deutschen hätten nicht nur Kanonen, sondern auch sechs Millionen Goldmark in den Tiefen versenkt.

Geparden am Waterberg

Vom schnöden Mammon in einem verträumten See geht die Reise weiter zum Waterberg, wo der bekannte Cheetah Conservation Fund (CCF) zum Schutz der namibischen Geparden  beheimatet ist. Unter Leitung der engagierten Amerikanerin Dr. Laurie Marker werden die geschmeidigen Wildkatzen nicht nur geschützt und aufgepäppelt, sondern auch in ihrer natürlichen Umgebung belassen. Schulungen und Konferenzen tragen zur Aufklärung bei, so dass Mensch und Gepard ohne größere Probleme in Nachbarschaft miteinander leben können. Das schnellste Landtier der Welt ist zu einem Drittel seiner Weltpopulation in Namibia vertreten, ein Grund mehr, es zu schützen, und dies geschieht im CCF wirklich vorbildlich.

So geht unsere Reise auf einem Teil der namibischen Touristenrouten mit vielen Eindrücken zu Ende und hinterlässt auch viel Nachdenkliches, wie wir unsere Natur und Wildtiere besser schützen können, um den Generationen nach uns diese einzigartige Welt zu erhalten.

© Konny von Schmettau