Auf See mit dem Katamaran

tl_files/article/Cat.180.jpgMorgens um Neun in der Lagune von Walvis Bay. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel und Schäfchenwolken ziehen am Horizont entlang, während eine Formation von Kormoranen voller Genuss einen Sardinenschwarm beobachtet, der dicht unter der Oberfläche durch das seichte Wasser zieht.

In kurzen Hosen und winddichter Jacke klettert eine Gruppe Touristen auf den Katamaran, um einen Vormittag auf See und in der Lagune zu verbringen. Während die Leinen losgemacht werden, lauschen die Gäste gespannt der Begrüßung ihres Tourguides Marko van Vuuren, der wie viele Namibier geschickt zwischen Deutsch, Englisch und Afrikaans hin und her wechselt, so dass ihn alle verstehen können.
Langsam gleitet der Katamaran aus dem Hafen heraus, mit einem herrlichen Blick auf die große Lagune der Hafenstadt. Plötzlich springt ein Seehund an Bord, robbt zu Marko hin und streckt neugierig seinen Kopf in die Höhe – denn er weiß, jetzt gibt es frischen Fisch, den er nicht selbst fangen muss.
„Einige der Seehunde hier in der Bucht kennen uns und kommen auf Zuruf an Bord“, erklärt Marko seinen Gästen. „Dabei achten wir jedoch darauf, dass zwar unsere Gäste Spaß haben an dieser kleinen Fütterung, aber die Tiere nicht zu sehr verwöhnt werden, denn sie sind frei lebende Tiere und sollen sich selbst ernähren. Was sie von uns bekommen, ist sozusagen ihr zweites Frühstück.“

Walvis Bayer Austern sind besonders in Hongkong beliebt

tl_files/article/Cat1.130.jpgEin Schiffswrack kommt in Sicht und wer sich wundert, warum es unweit des Hafenbeckens liegt, erhält detaillierte und informative Erklärungen, dass man hier die Austern reinigt, die in großen Körben um Walvis Bay herum gezüchtet werden. Die Körbe nämlich ziehen Algen an und nach einem knappen Monat haben diese die Körbe rundherum zugesetzt, so dass eine regelmäßige Reinigung notwenig ist, um die Austern mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Da es in Namibia keine wilden Austern gibt, müssen sie ins Land importiert werden.
Winzig klein werden sie ausgesetzt und erreichen dank des planktonhaltigen Seewassers um Walvis Bay herum bereits nach einem Jahr ihre volle Größe, so dass sie für den Verzehr in den zahlreichen Restaurants an der Küste und im Landesinneren geeignet sind. In anderen Gebieten brauchen die Muscheln gut drei Jahre, um die selbe Größe zu erreichen, und so erklärt sich, dass die Walvis Bayer Austern in viele Länder exportiert werden, wobei Hongkong den größten Importeur darstellt.

Woran erkennt man, ob ein Pelikan männlich oder weiblich ist, wo findet man den Mola Mola- oder Sonnenfisch, werden wir auf unserer Seefahrt den hier endemischen Benguela-Delphin sehen und viele weitere Fragen beantwortet Marko van Vuuren mit viel Geduld und stets guter Laune, so dass seine Gäste sich zunehmend wohl fühlen und es sich auf den weichen Matten an Deck bequem machen.
Delphine schwimmen nah am Boot entlang, einer von ihnen genießt es offensichtlich, im Fahrwasser herum zu tollen. Auch Lederschildkröten und Wale kann man mit etwas Glück entdecken, es bleibt immer spannend und manche Gäste liegen bäuchlings am Bootsrand, um als Erste die nächste Tierart im Wasser zu entdecken.

Morgens früh ist das Meer meist ruhig

tl_files/article/Cat2.180.jpgFür die Ausfahrt eignen sich die Morgenstunden am besten, denn nachmittags kommt an der Küste häufig Wind auf und wer nicht seefest ist, für den kann es ungemütlich werden. Doch die See zeigt sich besonders in den Sommermonaten meist von ihrer besten Seite, und wenn kein Nebel sich verziehen muss, sondern die Sonne glitzernd auf den Wellen reflektiert, kommt herrlichste Urlaubsstimmung auf.
Catamaran Charters ist eines der Unternehmen, die diese Ausflüge anbieten und mit der geschulten und stets aufmerksamen Crew an Bord fühlen sich ausländische Gäste ebenso wohl wie namibische Familien, und besonders für Kinder ist es spannend, Tiere in freier Natur hautnah zu erleben oder gar zu füttern.
450 Namibia Dollar kostet eine dreistündige Seefahrt, die einen geschmackvollen Imbiss und Getränke einschließt.

2004 gründeten Fred und Astrid Deetlefs sowie Marko und Daniela Jansen Van Vuuren das Familien-Unternehmen, das sich heute im Besitz von Marko und Daniela befindet.
„Silverwind“ war der erste Katamaran, in Kapstadt gebaut, mit dem Catamaran Charters seine ersten Touren anbot, die bald so beliebt waren, dass ein zweiter Katamaran angeschafft wurde, und zwar die „Silversand“. Sie gelten als die beiden größten Segelkatamarane an der namibischen Küste und sind auch für Fotoaufnahmen, unter anderem mit der Miss Namibia, sehr beliebt.

Rund um Walvis Bay tummeln sich „Die großen Fünf des Meeres“, nämlich Delphine, Lederschildkröten, Wale, Seehunde bzw. Robben sowie der seltene Mola Mola- oder Sonnenfisch. Nicht bei jeder Bootstour kann man sie alle entdecken, aber wer die Augen nicht nur aufs Wasser, sondern auch in die Luft richtet, genießt ebenso den Anblick von Möwen, Kormoranen und Pelikanen, die nah am Boot vorbei segeln und so wie die Robben eine mögliche Zwischenmahlzeit in Form eines Fisches, der ihnen von Bord entgegen fliegt, gerne annehmen.
Mit gekonntem Pfiff lockt Marko die Pelikane an, die man selten so nah erlebt wie hier. Scheinbar riesige Schnäbel öffnen sich, wenn sie ihre Beute entdecken und ihr plump scheinender Körper segelt mit ungeahnter Leichtigkeit durch die Lüfte.

Pelikan Point und Lagune

tl_files/article/Cat3.180.jpgVom Walvis Bayer Hafen aus kann man bei gutem Wetter den Leuchtturm am Pelikan Point sehen, der zugleich den Abschluss der weitläufigen Lagune am Ostrand der Hafenstadt bezeichnet. Hier befindet sich eine Robbenkolonie, die außerhalb der Brunftzeit vornehmlich aus weiblichen und jungen Tieren besteht, während die Männchen meist im November / Dezember zu sehen sind. Zwölf Monate lang tragen Robbenweibchen ihre Kleinen aus, und bereits zehn Tage nach deren Geburt sind sie für eine erneute Schwangerschaft bereit, so dass die Kolonien beständig größer werden.

Am Pelikan Point vorbei geht es aufs offene Meer hinaus, um weitere Meeresbewohner zu entdecken und später an der als Vogelschutzgebiet weltbekannten Lagune vorbei zurück, die Schutz und Nahrung für Abertausende von Vögeln bietet. Mit 5.000 Jahren ist die Walvis Bayer Lagune mit ihrem großflächigen Watt die älteste Namibias. Rund achtzig Prozent der im südlichen Afrika beheimateten Flamingos ernähren sich hier und an manchen Tagen gewinnt man den Eindruck einer von ihrem Gefieder rosa schimmernden Wasserfläche.

Am Hafen angelangt, kann man an der Waterfront in einigen gemütlichen Tavernen den Blick aufs Meer noch einmal genießen, und beinahe jeder, der eine solch erlebnisreichen Bootstour erlebt hat, nimmt sich vor, bald wieder hierher zu kommen.

(c) Konny von Schmettau