Angeln und mehr an der Küste

tl_files/article/Angeln.180.neu.jpgAngeln und Fischen stehen bei vielen Namibiern und manchen ausländischen Gästen an erster Stelle, wenn sie die Atlantikküste besuchen. Doch was für den einen schlichtweg ein leckeres Essen bedeutet, kommt bei anderen purem Abenteuer gleich.

„Langsam Leine nachlassen, bis das Blei den Meeresgrund berührt. Und jetzt den Angelstock mit den Wellen bewegen, dann sind die Chancen am Größten, dass einer beißt.“ Geduldig erklärt Henry Loubscher seinen Gästen, wie sie am schnellsten zum Erfolg kommen. „Der Köder muss fest auf dem Haken sitzen, sonst knabbern ihn die Fische ab“, sagt Henry gerade noch und strahlt im nächsten Augenblick mit seinem Gast um die Wette, der freudestrahlend den ersten Kabeljou (afrikanischen Adlerfisch) seines Lebens an der Angel hat.
Mehrfach im Monat bietet Henry Loubscher mit seinem Unternehmen „Henry’s Fishing Safaris“ von der Swakopmunder Mole aus früh morgens Ausfahrten mit seinem Boot „Pisces“ („Fische“) an, während deren man nicht nur gute Chancen auf den Fang von Snoek und Kabeljou hat, sondern auch Haie an die Angel bekommen kann. Per Echolot erkennt der Bootskapitän die Dichte der Fischschwärme und steuert entsprechend die besten Stellen an, um seinen Gästen ein Erfolgserlebnis zu vermitteln.
„Bei Henry fängt man immer etwas“, erzählt Martin aus Österreich, der seit Jahren regelmäßig nach Swakopmund reist, um seiner Passion Fischen im Meer nachzukommen. „Es gibt Menschen, die haben ein Gefühl für das Meer und seine Bewohner, und Henry gehört für viele von uns einfach dazu.“
Galjoen (Schwarzfisch) und Kabeljou, Barbel (Catfisch), Steenbras (Weißfisch) und Snoek gehören zu den meist gefangenen Fischarten an der Atlantikküste um Swakopmund und Walvis Bay herum. Der Catfisch ist mit Vorsicht zu genießen, denn er hat drei scharfe Stacheln, an denen man sich leicht verletzen kann. Doch die Fachleute wissen, wie man ihn mit einem geschickten Griff handhaben kann.
Die Saison an unserer Küste ist ganzjährig, außer für Langusten, die nur vom 1. November bis Ende April zwischen Sonnenauf- und Untergang, nicht aber nachts, gefangen werden dürfen. Langusten müssen eine Mindestgröße von 6,5 cm aufweisen und pro Person dürfen pro Tag nur sieben „Rock Lobster“ aus dem Meer geholt werden.
Von den heimischen Muscheln – Miesmuscheln, Weiß- und Schwarzmuscheln sind besonders beliebt – darf man je nach Sorte zwischen fünf und 50 Stück pro Person und Tag am Strand sammeln oder direkt aus dem Meer holen. Am besten eignet sich dafür die beginnende Ebbe, während der man oft mühelos am Strand und am Seetang verhaftet unzählige Schwarz- und Miesmuscheln findet. Nach Weißmuscheln gräbt man etwas im Sand, aber die Mühe lohnt sich, denn sie gelten als besonders schmackhaft – vorzugsweise in Weißweinsoße oder mit Knoblauch und Käse überbacken.

Kein Fischen ohne Lizenz

tl_files/article/Angeln1.130.neu.jpgDoch bevor man sich den Gaumenfreuden hingibt, die der Atlantik bereithält, sollte man die Regeln kennen. Für jeden Fang, egal ob beim Langustentauchen, Boot- oder Strandangeln, benötigt man eine Lizenz. Diese kann beim Fischereiministerium im Gebäude des Aquariums in Swakopmund von jedem erworben werden. Der Monatsbeitrag beläuft sich auf 14 N$ und ein Ausweis genügt, um die Lizenz direkt vor Ort ausgestellt zu bekommen. Dort erhält man auch Merkblätter mit den genauen Angaben, was und wann in welcher Menge geangelt, gefangen oder gesammelt werden darf. Hält man sich nicht an die Regeln oder fischt gar ohne Lizenz, muss man teilweise mit hohen Strafen rechnen. 

Wenn alles geregelt ist, geht es hinaus auf das morgens meist ruhige Meer, der Sonne entgegen, die Gischt im Gesicht. Etwas wacklig ist es auf See, besonders dann, wenn man mit einem der kleineren Fischerboote unterwegs ist. Doch sobald ein Fischschwarm gesichtet wurde, stellt sich bei den meisten Teilnehmern das Jagdfieber ein. Aufgeregt werden freche Sprüche von einem zum anderen geworfen, die kurzen Angelstöcke bereit gemacht, der Köder auf den Haken gesteckt und ab damit über Bord. Jeder Fang wird gebührend bewundert, und wer Glück hat, dem hängen gleich zwei Fische an ein und derselben Angel. Freudestrahlend muss ein Foto gemacht werden, um diesen besonderen Fang auch für die zu Hause gebliebenen zu dokumentieren.
Auch Haie tummeln sich an unserer Küste und mit entsprechend stabiler Angel, Rollen, Schnur, Stahlvorschlag und viel Geschick können auch sie gefangen werden. Doch der Hai mit seinem leichten Ammoniak-Geruch ist wie alles andere Geschmacksache, und so werfen die meisten Angler ihren Fang nach dem obligatorischen Foto wieder zurück ins Meer.

Jeder Fisch wird zunächst auf ein Maßbrett gelegt. Hat er die vorgeschriebene Länge nicht erreicht, löst man den Haken vorsichtig aus seinem Maul und schenkt ihm wieder die Freiheit der endlos scheinenden See, auf der die Sonnenstrahlen glitzernd reflektieren.
Ein kleiner Katzenhai hat sich am Haken verbissen, vorsichtig wird dieser gelöst, doch bevor er wieder ins Wasser geworfen wird, streichen die Angler vorsichtig über seinen rotbraunen Rücken, der sich wie zartes Sandpapier anfühlt.
Angeln auf See ist ein ganz besonderes Erlebnis, eine Mischung aus Spannung und Abenteuer, wenn das Boot über die Wellen flitzt, um einen eben entdeckten Fischschwarm zu erreichen, bevor er sich davon macht.
Voller Adrenalin kehrt man am Nachmittag an die Mole zurück, um am „Fischputzplatz“ gegenüber des Aquariums den Fang auszunehmen und die großen Fische vor Ort zu zerteilen. Kaum ist ein Boot per Anhänger hier angekommen, erscheinen die Anwohner, um möglichst den einen oder anderen Fisch käuflich zu erwerben.


Ein Vergnügen auch für die Familie

Wer die Tiere der See und der Küste lieber beobachten möchte, statt sie zu fangen, dem bieten Bootsafari-Anbieter in Swakopmund und Walvis Bay auch dies. „Die Big Five der See“, die großen Fünf des Meeres, Wale, Delfine, Seehunde, Pelikane und Leder-Schildkröten, kann man unter anderem mit Mola-Mola, Catamaran Charters, Levo Tours und Laramond Tours beobachten, um nur einige zu nennen. Und mit etwas Glück entdeckt man den seltenen Mola-Mola- oder Sonnenfisch, der gemütlich im seichten Wasser döst.
Besonders bei Familien mit Kindern sind diese Bootsafaris sehr beliebt, denn wer genießt es nicht, Delfine und Seehunde bei ihrem Spiel ganz nah am Boot zu beobachten oder gar zu füttern.

Auf jeden Fall hat unsere Küste für jeden etwas zu bieten, ob man nun Angeln, Langusten fangen oder Muscheln sammeln mag oder nicht.
Wenn in den Großen Sommerferien das Wasser wieder warm wird, gehen beinahe alle schwimmen, nicht nur die hart gesottenen Swakopmunder, die selbst bei Nebel und 12 Grad Celsius Wassertemperatur im Winter unerschrocken früh morgens ihre Runde bei der Mole schwimmen.

Nichts ist einfach, aber man kann alles lernen

tl_files/article/Angeln2.180.neu.jpgAngeln vom Boot und vom Strand aus steht für viele Namibier auf dem festen Wochenend- und Ferienprogramm. Während das Bootangeln eher für sportliches Fischen steht, zumal man auch seefest sein sollte, ist das Strandangeln traditionsgemäß mit einem Braai sowie gut gefüllter Coolbox und der ganzen Familie beliebt.
Hier benötigt man im Gegensatz zur kurzen Bootsangel einen bis zu drei Meter langen Angelstock, schon um die Distanz vom trockenen Strand hinaus aufs Wasser zu überbrücken. Hartgesottene Angler wagen sich auch bis zum Bauchnabel in die tosenden Wellen, um die Leine möglichst weit auswerfen zu können. Und so hat jeder sein vermeintliches Geheimrezept für den besten Fang und den besten Standort. 

Was dem einen sein Vergnügen, kann bei diesen langen Angeln für andere einen Schrecken bedeuten, denn Vorsicht, die lange Angelschnur verheddert sich schnell, wenn man nicht konsequent beim Auswerfen den Daumen auf die Spule hält. So zieht der eine einen Fisch nach dem anderen an Land, während andere sich eher mehr oder weniger geduldig mit dem Entwirren der dünnen Schnur beschäftigen.
Bei einem der zahlreichen Angelwettbewerbe, von denen das Fischerfest in Henties Bay und der Wettbewerb in Wloztka’s Baken zu den beliebtesten zählen, werden Letztere entsprechend fröhlich-lästerlich beobachtet.

Als Köder übrigens, an der Küste Bait genannt, verwenden manche Angler neben Rotbeet (red bait) und Sardinen (Pilchards) besonders bei Wettbewerben gerne Langusten, was einen Beobachter zu dem sinnigen Kommentar verleitete: „Was soll ich denn da im Wasser auf dem Boden rumkriechen und meine Hände unter Steine stecken, bei denen ich nicht weiß, was da alles drunter sitzt? Und dann füttern die auch noch die Fische damit?! Nene, da esse ich die Langusten doch lieber gleich selbst auf!“

© Konny von Schmettau